Das Spreekaiser Berlin-Team

Ihr Berlin Stadtführer

Uwe Konrad

Zeitzeuge und Stadtführer für folgende Touren:



Das Leben am Todesstreifen
Historisches Berlin mit Fahrradrikscha

Sprache: deutsch


FOTO: Alexander Klebe


Ich freue mich, dass die ganze Welt meine Stadt besucht. 1963 bin ich im Osten Berlins geboren und am Todesstreifen der Berliner Mauer aufgewachsen. Der Anblick von Panzersperren, das nie erlöschende Licht der Scheinwerfer und die suchenden Blicke der Grenzsoldaten vom Wachturm gehörten zum ganz normalen Ausblick aus meinem Kinderzimmer. Immer wenn die Hausaufgaben zu langweilig wurden, schaute ich wer auf dem Wachturm Dienst hatte. Ich kannte sie alle. Sie kontrollierten uns Einwohner ja jeden Tag am Todesstreifen. Ich winkte ihnen hinter der Scheibe zu, denn das Fenster zu öffnen war strengstens verboten. Manchmal, heimlich, wenn mein Vater nicht da war, schlich ich mich mit seinem Fernglas ans Fenster und spionierte in den Westen. Wenn mein Vater als Grenzoffizier gewusst hätte, das ich in den verbotenen Westen zu den Klassenfeinden rüberspähte, hätte er wieder die sozialistische Tageszeitung „Das Neue Deutschland“ zusammengerollt und mich damit verprügelt. Denn ich wurde pur sozialistisch erzogen.

Als mein Onkel, also der Bruder meines Vaters, während seines Dienstes mit Uniform und Waffe nach Westberlin flüchtete, mussten wir die Wohnung am Todesstreifen verlassen. Mein Vater wurde unehrenhaft von den Grenztruppen entlassen, anschließend aus der SED ausgeschlossen und ich begriff langsam, dass die Berliner Mauer kein Schutzwall, sondern ein bedrohlicher Grenzwall war. Genau diesen Grenzwall sollte ich 1986 als Grenzer im Ausbildungsregiment an der innerdeutschen Grenze wiedersehen. Bereits in der dritten Woche verweigerte ich den Gebrauch der Schusswaffe! Ich wollte mich an dem - damals offiziell geleugneten - Schießbefehl nicht beteiligen. Es folgte eine Strafversetzung ins Mot-Schützen-Regiment, indem ich die restliche Zeit mit ehemaligen Strafgefangenen fristen musste.

Als letzter Akt fiel 1989 diese dumme Mauer.

All das ist lang her. Und ich kam mit meiner Vergangenheit erst wieder in Kontakt als ich 2009 begann in Berlin Stadtführer zu werden. Viele Besucher informieren sich nun über den Mauerverlauf, das Leben am Todesstreifen oder über Ostberlin. All diese Erfahrungen kann ich nun an Sie als interessierte Gäste meiner Heimatstadt weitergeben.
Ich würde mich freuen, Sie auf meinen Touren begrüßen zu dürfen und lade Sie herzlich ein, ein Stück des Weges an der Berliner Mauer mit mir zu erleben.

Ihr Uwe Konrad

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